Action for Self Reliance and Alternatives (ASRA) – Experience Report 2014

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June – July 2014

by Julia Gysin

Warum ich mich für ein Praktikum bei ASRA mit Gateway to India (GTI) entschieden habe:

Für mich begann das grosse Abenteuer Indien, als ich mich spontan dazu entschieden habe, einen Infoabend von GTI an der Universität St. Gallen zu besuchen. Von da an war mir klar, dass ich mich gerne für eine NGO in Indien engagieren würde. Als sich rund ein Jahr später ein Zeitfenster ergab, habe ich mein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Durch die Tatsache, dass ich allein ein Sozialpraktikum antrat und Indien bis dahin überhaupt nicht kannte, gab mir das Wissen, dass GTI aus Kommilitonen/Innen der Universität St. Gallen bestand, eine gewisse Sicherheit. ASRA war meine Wunschorganisation, da mir ein Einsatz in Slums rund um und in Neu Delhi und die Arbeit mit körperlich und psychisch behinderten Kindern sehr sinnvoll und wertvoll erschien.

Vor der Abreise:

Ich habe mich bei GTI gemeldet, welche die Koordination mit ASRA übernommen hatte. Die Leute bei GTI haben mir meine Fragen sehr geduldig und kompetent beantwortet und mir von ihren Erfahrungen während ihrer Zeit in Indien berichtet, was einige Unsicherheiten meinerseits beseitigte. Da die Spendengelder von ASRA grösstenteils aus der Schweiz stammen, habe ich mich zudem einige Wochen vor der Abreise mit dem Anwalt Herr Dr. Hünerwadel (Verantwortlicher für die juristische Beratung von ASRA) getroffen. Er hatte ASRA bereits mehrfach besucht und konnte mir nähere Infos über die Organisation gegeben. Zudem bildete er in den kommenden Wochen die Schnittstelle zwischen Ankana Patial (Geschäftsführerin ASRA) und mir. Er hat sie unter anderem gebeten, mich bei der Suche einer Unterkunft zu unterstützen. Frau Ankana Patial hat mir den Kontakt zu einer indischen Familie gegeben, welche Homestays anbietet. Diese Wohngelegenheit wäre sehr nahe zum Arbeitsort gewesen, jedoch habe ich mich dagegen entschieden. Mehr dazu später…

Ich habe mich währenddessen um das Visum gekümmert, wobei ich mich für ein Touristenvisum entschied. Gemäss Erzählungen von Kollegen, welche bereits in Indien waren, ist es oftmals ein Prozess, der mehrere Anläufe (und somit einige Wochen Zeit) benötigt, da die indische Botschaft sehr strikte Vorschriften hat. Ich hatte Glück und es klappte alles im ersten Anlauf, dennoch würde ich empfehlen, frühzeitig mit der Visumsorganisation zu beginnen. Zudem habe ich mich im Schweizerischen Tropeninstitut noch gegen gewisse Krankheiten impfen lassen (z. B. Tollwut).

Die ersten Tage in Neu Delhi:

In Neu Delhi angekommen, wurde ich vom Fahrer abgeholt, was prima geklappt hat. Für die erste Nacht habe ich mir ein Hostel gebucht. Glücklicherweise kannte ich eine Kollegin der Universität, welche nach meiner Ankunft noch für zwei Tage in Neu Delhi war. Sie hat ebenfalls ein soziales Praktikum bei einer NGO gemacht und hatte bereits sechs Monate in Neu Delhi gelebt. Ich habe also meine ersten zwei Tage mit ihr verbracht. Das war ideal, um einen ersten Eindruck dieser grossen, verrückten Stadt zu erhalten. Meine Kollegin lebte in einem Expat-Haus mit rund zwölf jungen Leuten aus Indien, Europa, Afrika und Südamerika. So kam es, dass ich mich schliesslich entschlossen habe, ihr Zimmer zu übernehmen. So hatte ich zwar einen Arbeitsweg von rund einer Stunde mit der Metro (welche, wie ich finde, sehr sauber, günstig und sicher ist), doch im Haus hatte ich schnell Freunde gefunden und einen guten Ausgleich zum traditionell, indischen Leben während der Arbeit gefunden.

Meine Zeit bei ASRA:

Da bereits viel über den Tätigkeitsbereich von ASRA geschrieben wurde (siehe beispielsweise den Erfahrungsbericht von Joanne Sieber oder www.asra.ch), werde ich in diesem Teil mehr von meinen Erfahrungen bei ASRA schreiben.

Ich wurde vom gesamten Team bei ASRA wärmstens empfangen. Es gab sogar Kuchen zur Begrüssung und es wurde getanzt und gesungen. In der ersten Woche wurden mir die verschiedenen Programme und Aktivitäten von ASRA gezeigt. Jedes Department (z.B. Logopädie, Physiotherapie, Computerkurse, Schneiderkurse) wurde mir von den jeweiligen Heads vorgestellt. Zudem durfte ich drei Communities – so bezeichnet ASRA slumähnliche Stadtteile – besuchen. Das war sehr eindrücklich für mich, dennoch: In der ersten Woche war ich Gast bei ASRA, gearbeitet habe ich nicht. Zudem waren die Mitarbeiterinnen (es arbeiten beinahe ausschliesslich Frauen bei ASRA) anfangs sehr distanziert. Sie grüssten und behandelten mich, als wäre ich eine Königin, was sehr ungewohnt war. Rückblickend würde ich sagen, dass es rund drei Wochen dauerte, bis die Stimmung „unbefangener“ war.

Nach meiner ersten Woche bei ASRA habe ich Ankana Patial gefragt, was meine Aufgabe oder das Ziel meines Einsatzes ist. Sie bat mich mögliche Vorschläge zu machen. Die Themenfindung war nicht ganz einfach, da ich weder einen pädagogischen noch medizinischen Hintergrund habe und auch kein Hindi spreche. Bedauerlich war in dieser Situation, dass mir ASRA keine Vorschläge unterbreitete oder mir sagte, wobei sie meine Unterstützung benötigen könnten. Wir entschlossen uns schliesslich dazu, dass ich Interviews mit Mitarbeitenden, Patienten und Schülern von ASRA durchführen und auswerten werde. Ziel meines Einsatzes war es demnach, Informationen betreffend der Zufriedenheit der von ASRA angebotenen Dienstleistungen bei ihren Patienten und Schülern zu untersuchen. Dadurch sollte allfälliges Verbesserungspotential festgestellt werden. Zusätzlich wurden die Mitarbeiter von ASRA befragt. Auch dabei galt es die Zufriedenheit und mögliche Verbesserungen zu eruieren.

In der gesamten Zeit standen mir Ankana Patial sowie das gesamte Team immer helfend zur Seite. Durch die Interviews konnte ich viel über das Leben der Patienten und der Schüler erfahren. Die Zeit bei ASRA war wahnsinnig bereichernd für mich. Ich wurde mit vielen Schicksalen konfrontiert, die mich sehr berührten, was nicht immer einfach war. Gleichzeitig konnte ich täglich sehen, dass ASRA hilft: Soviel sie können und vor allem dort, wo die Hilfe benötigt wird. Was speziell hervorzuheben ist, ist, dass bei ASRA sehr viele Menschen (vor allem Frauen) arbeiten, welche aus bescheidenen Verhältnissen kommen und teilweise eine körperliche Behinderung haben. Zudem fand ich meine Aufgabe sehr spannend und abwechslungsreich. Die Resultate meiner drei Umfragen habe ich am Ende meines Einsatzes in Form einer Powerpoint-Präsentation Ankana Patial übergeben.

Während meiner Zeit bei ASRA durfte ich zudem mehrmals sogenannte „Camps“ (z.B. Jobvermittlung von Personen mit Behinderung, Verteilen von Rollstühlen, Gehstöcken etc.) besuchen, welche von ASRA in den Communities oder im Headquarter organisiert werden. Dies war ebenfalls sehr beeindruckend. Immer wieder wurde ich zudem „verwöhnt“ von ASRA. Mitarbeiterinnen schminkten mich wie eine indische Braut, frisierten mir die Haare oder gingen mit mir auf einem Markt um zu shoppen. Dies war zwar etwas eigenartig für mich, dennoch Erfahrungsbericht ASRA Julia Gysin, 2014 bestanden sie darauf, da ich – wie bereits gesagt – für sie ein Gast war, den es ab und an zu verwöhnen galt. (Es wäre gelogen zu sagen, dass ich es nicht auch genossen hätte).

Die Arbeit von ASRA ist sehr effizient, wichtig und für die Angestellten als auch die Schüler und Patienten sehr wertvoll! Dies hat sich auch im Survey gezeigt. Alle Befragten sind ASRA sehr dankbar. Frau Vandana Mishra (Gründerin ASRA) und Ankana Patial sind mit Leib und Seele bei der Arbeit und das merkt man täglich. Für die Mitarbeiter/Innen sind sie oftmals Vorbilder und beinahe eine Art Eltern. ASRA hilft, was sich in der Dankbarkeit der Befragten widerspiegelte.

Das Leben in Neu Delhi:

Neu Delhi ist teilweise sehr schmutzig und der Gestank des Abfalls ist zeitweise kaum zu ertragen. Auf den zweiten Blick hat Neu Delhi jedoch sehr schöne und tolle Sachen zu bieten. Ich möchte das Leben in Neu Delhi keinesfalls missen: Märkte, Restaurants, verrückte Rickshaw-Fahrten, Ausgehmöglichkeiten und noch vieles mehr. Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich in einem ExpatHaus gewohnt, was es mir ermöglicht hat, zwei Gesichter Neu Delhis kennenzulernen. Erstens das sehr einfache Leben und den harten Alltag während des Arbeitens. Zweitens das Leben von Expats oder von reichen Indern an den Wochenenden. Dieser Mix war für mich extrem wertvoll! Da ich leider nur fünf Wochen in Indien war, konnte ich Indien – bis auf zwei Weekendtrips – nicht bereisen. Ein Punkt, der definitiv noch auf meiner To Do-Liste steht…

Natürlich könnte ich noch viele weitere Eindrücke, Anekdoten und Erfahrungen von meiner Zeit in Indien niederschreiben. Jedoch denke ich, dass dies vorerst das Wichtigste sein dürfte. Falls du weitere Fragen etc. haben solltest, darfst du mich jederzeit gerne kontaktieren: julia_gysin_03@hotmail.com